Dick Pics: Warum Männer ungefragt Penisbilder verschicken

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Dick Pics

Ungefragt Fotos seines Penis, sogenannte Dick Pics, an Frauen zu verschicken, ist ein weit verbreiteter Trend unter Männern – und Frauen leiden darunter. Viele von ihnen empfinden Abscheu und Ekel, wenn sie ihre neuen Nachrichten öffnen und ihnen haufenweise Genitalien-Portraits gewissermaßen ins Gesicht gedrückt werden. Wir sagen, was es damit auf sich hat und klären über das Phänomen „Dick Pic“ auf.

Dick Pics als Phänomen des digitalen Zeitalters

Ob bei WhatsApp, Tinder oder Facebook, viele Frauen haben diese Erfahrung sicherlich schon mal gemacht: Ohne böse Vorahnung öffnen sie eine neue Nachricht und wie aus heiterem Himmel erscheint eine ganz bestimmte Art von Foto, ein Penisfoto. Neudeutsch auch „Dick Pic“ genannt.

Es ist wohl DAS Phänomen des digitalen Zeitalters – Männer verschicken ungefragt Fotos ihres besten Stücks an Frauen. Möglichst anonym und diskret, damit die Empfängerin nicht zurückverfolgen kann, wer für die ziemlich eindeutige und unmissverständliche Message verantwortlich ist.

Sicherlich gibt es auch Fälle, in denen ein Mann einer Frau auf ihren Wunsch ein Dickpic zuschickt, etwa beim Sexting oder bei anderen Arten digitaler Erotik-Spielereien. Dennoch bleibt das die Ausnahme. Dickpics werden größtenteils ungefragt versendet und ohne dass das Bildmaterial die Empfängerin erregt. Ganz im Gegenteil: Frauen, die solche Fotos erhalten, haben nicht nur nicht danach gefragt, sie fühlen sich auch bedrängt und empfinden das, was sie zu sehen bekommen, als abstoßend. Oder um es noch treffender zu formulieren: Sie fühlen sich sexuell belästigt, um nicht zu sagen sexuell missbraucht.

Im Übrigen ist es auch in der Schwulen-Community ein weit verbreiteter Trend, Fotos vom besten Stück zu verschicken – sowohl ungefragt als auch gewollt. Und ungefragte Schwanz-Pics sind auch dort nicht gerne gesehen.

Das News-Portal jetzt.de hat mit Jan (Name geändert), einer 33-jährigen Drag-Queen, gesprochen. Der junge Mann berichtet: „Als Schwuler bin ich sowohl Sender als auch Empfänger von solchen Bildern, und muss sagen, wie es ist: Unverlangte Dick Pics nerven. Ich bekomme ständig Penisse geschickt, die ich gar nicht sehen will.“

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41 % der jungen Frauen erhielten schon mal ungefragt ein Penisbild

Und wie sehen die genauen Zahlen aus? Die hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Jahr 2017 ermittelt und sie 2018 dann als Studie veröffentlicht. Gefragt wurden rund 2.100 Frauen und 1.700 Männer aus Großbritannien im Alter von 18 bis 36.

YouGov-Grafik Dick Pics

Die Ergebnisse: Von den weiblichen Umfrageteilnehmern erhielten mit 46 % fast die Hälfte schon mal ein Penis-Bild, mit 41 % ein Großteil davon unaufgefordert. Interessanterweise sagen aber nur 22 % der befragten Männer, schon mal ein Dick Pic verschickt zu haben – und gerade mal 5 % geben an, das ohne Aufforderung getan zu haben. Es fällt also eine große Diskrepanz zwischen den Antworten auf – nur 22 % der Männer haben schon mal ein Dick Pic verschickt, aber 46 % der Frauen haben schon mal eines bekommen. Woran könnte das liegen?

Das ist leicht zu erklären: Zum einen ist es vielen Männer peinlich zuzugeben, ein Foto von ihrem besten Stück an Frauen geschickt zu haben. Und zum anderen sind einige von ihnen Wiederholungstäter, wollten also schon mehrfach mit einem Untenherum-Foto beeindrucken.

Für Männer interessant: Obwohl fast die Hälfte der jungen Frauen schon mal ein Penis-Nacktbild erhalten hat, sind nur die wenigsten von ihnen davon angeturnt. Das fand die Casual-Dating-App Vicotoria Milan in einer Umfrage unter 2.500 weiblichen Mitgliedern heraus. Je mehr der Penis auf einem Selfie fokussiert wird, desto unattraktiver empfinden das Frauen. So wird ein erigiertes Geschlechtsteil-Foto nur von 9 Prozent der Frauen als anziehend wahrgenommen, wohingegen mit 36 % das Selfie eines flirtenden Gesichts mit sinnlichen Augen deutlich mehr Frauen anspricht.

Und ungefragte Vulva-Fotos? Eher die Ausnahme als die Regel

Gibt es umgekehrt eigentlich auch Frauen, die Männern ungefragt Fotos ihrer Vulva schicken? Mit Sicherheit. Vermutlich aber nicht in der Häufigkeit. Und das hat einen bestimmten Grund.

So legen Männer eine deutlich größere Zeigefreudigkeit an den Tag – was mitunter in dem immer noch bestehenden gesellschaftlichen Machtgefälle zwischen den Geschlechtern begründet ist. Auch wenn es sich bei den klassischen Rollenbildern mit geschlechtsspezifischen Attributen um veraltete Stereotype handelt, besitzen sie in der Lebenswirklichkeit auch heutzutage noch eine gewisse Gültigkeit. Der starke, selbstbewusste und emotionslose Mann gegenüber der schwachen, zurückhaltenden und empathischen Frau. Kein Wunder also, dass viele Frauen von ihrem Wesen her gar nicht dazu in der Lage sind und auch nicht das Bedürfnis haben, Pics ihrer Intimzone an fremde Männer zu schicken.

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Pseudo-Ausstellung „Männerwelten“ klärt auf

Mehr über die Gefühle von Frauen, wenn sie nach dem Öffnen einer Nachricht plötzlich ein Schwanz-Foto angezeigt bekommen, verrät die Pseudo-Ausstellung „Männerwelten“ der Autorin Sophie Passmann, die über sexuelle Übergriffe, sexuelle Belästigung uns sexuelle Gewalt aufklären soll.

Das erste Mal zu sehen war sie zur Primetime auf dem TV-Sender ProSieben in einer kurzen Sondersendung des Moderatoren-Duos Klass Heufer-Umlauf und Joko Winterscheid. Beide waren in den rund 15 Minuten nicht selbst zu sehen. Stattdessen wurde Passmann zusammen mit Schauspielerin Palina Rojinski bei einem Rundgang durch die Ausstellung gezeigt.

An den Wänden der Räumlichkeiten hingen Schwanzbilder, die Rojinski und ihren Freundinnen zugeschickt wurden. Außerdem kamen mehrere Prominente zu Wort, um ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung, u.a. durch ungefragte Penis-Bilder, zu schildern.

Mit dieser Pseudo-Ausstellung wollten Passmann und alle Beteiligten ein wichtiges Zeichen gegen Praktiken wie das Verschicken von Schwanz-Pics setzen. Denn Dating-Apps, Messenger und Social-Media, die Kommunikationsmöglichkeiten der modernen Zeit, machen es den Tätern sehr leicht, in dieser Art und Weise scheinbar unbemerkt Grenzen zu überschreiten.

„Männerwelten“ ist auf dem YouTube-Kanal „Joko & Klaas“ auch nachträglich noch kostenlos anschaubar.

Machtdemonstration und Grenzüberschreitung

Die meisten Frauen fühlen sich durch ein ungefragtes Penis-Selfie belästigt. Das sollte Männern doch eigentlich klar sein. Stellt sich die berechtigte Frage: Warum ist das Penisbilder-Verschicken bei Kerlen dann so angesagt? Haben sie Spaß daran, sexuell übergriffig zu werden? Liegt keine psychopathische Veranlagung vor, wohl kaum. Leben sie damit ihren Fetisch aus? Auch eine Möglichkeit, aber unwahrscheinlich, dass das für viele der Hauptgrund ist. Aber was könnte dann für Männer der Reiz daran sein, private Schwanzbilder zu verschicken?

Barbara Krahé, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Potsdam mit dem Forschungsschwerpunkt sexuelle Aggressionen und soziale Informationsverarbeitung im juristischen Kontext, erklärt im Interview mit spiegel.de: „Der Penis, die eigene sexuelle Potenz, gilt traditionell und deshalb bei vielen als der absolute Inbegriff der Männlichkeit. Männer, die meinen, Bilder von ihrem Geschlechtsteil versenden zu müssen, haben ein Problem mit ihrer Männlichkeit: Sie wollen sich selbst vergewissern, wie männlich sie sind und es dann gegenüber Frauen unter Beweis stellen.“ Und weiter sagt sie: „Sie haben das Bedürfnis, Macht auszuüben: Ich bin ein echter Mann, weil ich entscheide, wo die Grenzen sind – und ich überschreite sie ganz bewusst. Einfach nur, weil ich es kann.“

Penisbilder und Dickpics versenden

Den Ausführungen der Psychologin zufolge sind also Machtdemonstration und Grenzüberschreitung die beiden Hauptmotive, warum Männer Schwanz-Bilder verschicken. Diese Ansicht vertritt auch Sarah Danielewski, Psychologin aus Hamburg. Gegenüber N-JOY erklärt sie: „Die Täter genießen es, ihren Willen durchzusetzen, zu erschrecken und zu demütigen. Das unvermittelte Versenden eines Penisbildes ist eine Grenzüberschreitung und eine Demonstration von Macht.“

Dass Männer ernsthaft der Meinung sind, Frauen würden sich über ein Schwanz-Selfie freuen, trifft hingegen nur in den seltensten Fällen zu. Den meisten mangelt es nicht an Vorstellungskraft, dass ein Penis-Bild wohl eher die gegenteilige Wirkung erzielt. Es trotzdem zu machen bedeute laut Barbara Krahé Mut und Dominanz.

Die Professorin bestätigt darüber hinaus, dass Fotos vom Penis zu verschicken, nichts mit sexueller Frustration zu tun habe. Schließlich würden sich Absender und Empfängerin meist gar nicht kennen. So senke diese Anonymität sogar die Schwelle für anti-soziales Verhalten. Man könne sich ausprobieren, über die Stränge schlagen und sich seiner Männlichkeit vergewissern. Sexuell frustriert seien die Absender von Schwanz-Pics deshalb aber noch lange nicht.

Dick Pic versenden nicht gleich Exhibitionismus

Bevor es das Internet, Mobiltelefone, Social Media und Messenger-Dienste gab, musste man sich in einem Raum befinden, um einer anderen Person seinen Penis zu zeigen. Man konnte gewissermaßen nur auf analogem, statt digitalem Wege sein bestes Stück zur Schau stellen. Männer, die sich untenherum gerne unbedeckt präsentieren, haben es heutzutage also deutlich leichter.

Man könnte schnell zu dem Schluss kommen, dass das Dick-Pic-Versenden von heute der Exhibitionismus von früher ist. Oder? Barbara Krahé verneint das. Gegenüber spiegel.de sagt sie: „Ein Exhibitionist möchte sich nackt zeigen – dann hat er sein Ziel erreicht, findet Befriedigung, erwartet nicht unbedingt eine direkte Reaktion anderer. Ein Dickpic-Versender überschreitet wissentlich Grenzen, will genau wissen: Wie gefällt dir, was du siehst?“

Im Schutze der Anonymität kann ein Dickpic-Versender sein narzisstisches Verlangen nach Macht, Kontrolle und Dominanz ausleben. Um diese drei Aspekte geht es einem Exhibitionisten zwar auch in gewisser Weise, der entscheidende Unterschied ist: Er ist bei seinen Taten nicht anonym – weil er das auch nicht möchte. Es ist ihm schlicht und ergreifend egal, ob er von seinen Opfern erkannt wird oder nicht. Wichtig ist für einen Exhibitionisten einzig, dass er seine Männlichkeit entblößen kann, um Befriedigung zu empfinden. Das gibt ihm ein Gefühl der Macht und Kontrolle – er ist am Ziel angelangt.

Demgegenüber empfinden Männer, die unverlangt Penis-Bilder versenden, nur dadurch Macht, Kontrolle und Dominanz, weil sie von einem geschützten Raum aus agieren. Sie kennen die Empfängerin nicht, die Empfängerin kennt sie nicht. Das gibt ihnen einen besonderen Kick und ist der Grund, warum sie sich digital und nicht analog entblößen.

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Wie sollten Frauen auf Dick Picks reagieren

Für Frauen, die mit Penisbildern belästigt werden, stellt sich die Frage: Was tun? Einfach ignorieren, eine Antwort verfassen oder doch besser Strafanzeige erstatten?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Das hängt ganz davon ab, mit welcher Bewältigungsstrategie die Schwanzfoto-Empfängerin am besten leben kann. Manche Frauen wollen den Vorfall gar nicht an sich herankommen lassen und löschen die Bildaufnahme sofort wieder, andere wiederum verspüren den Drang, zu antworten.

Allerdings: Wer ein Penis-Nacktbild nicht auf sich beruhen lässt, sondern dem Absender eine Nachricht schreibt und sich in dieser empört, muss mit einer aggressiven Reaktion rechnen. Warum das so ist, erklärt Barbara Krahé gegenüber spiegel.de: „Reagiert die Empfängerin ablehnend oder kritisch, geht es häufig blitzschnell: Der Mann, der seinen Penis gezeigt hat, wird extrem beleidigend, wird aggressiv. In dem Moment, in dem die Frau sich wehrt, gleicht sie den Machtunterschied aus.“

Zudem bricht eine Antwort die Anonymität des Dick-Pick-Absenders. Er fühlt sich bedroht und kann mit diesem Gefühl nur schwer umgehen. Denn der eigentliche Zweck seiner Nachricht und das Bedürfnis, seine narzisstische Persönlichkeit ohne Gegenwehr auszuleben, konnten nicht in Gänze erfüllt werden.

Rechtliche Konsequenzen von Penisbildern

Neben ignorieren und antworten ist eine weitere Möglichkeit, gegen den Absender ungewollter Penis-Fotos Anzeige zu erstatten. Denn ein solches Verhalten kann durchaus eine Straftat darstellen. Und zwar nach Paragraph 184 des Strafgesetzbuches – Verbreitung pornographischer Schriften. Dort heißt es u.a.: Wer eine pornographische Schrift an einen anderen gelängen läßt, ohne von diesem hierzu aufgefordert zu sein, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Alexandra Braun, Rechtsanwältin für Sexualstrafrecht aus Hamburg, kennt Strafverfahren wegen unverlangter Penisfotos aus ihrer beruflichen Praxis. Sie hat schon mal einen Beschuldigten verteidigt und den Fall verloren. Gegenüber N-JOY berichtet sie: „Er hat eine Strafe in Höhe eines Monatsgehalts bekommen – also 30 Tagessätze.“ Das könne je nach Verdienst finanziell schmerzen. Außerdem habe die Verurteilung einen Eintrag im Bundeszentralregister zur Folge.

Schwanzbilder

Bleibt die Frage: Wie kann man gegen ungefragte Penisbilder von Usern rechtlich vorgehen, obwohl man deren echte Namen nicht kennt und auch sonst keine persönlichen Informationen hat? Christian Solmecke, Medienrechtsanwalt aus Köln, rät im Interview mit rtl.de: „Hier ist mehrgleisig zu verfahren. Um sich gegen weitere Belästigungen zu schützen, sollten Betroffene den jeweiligen Nutzer blockieren und diesen bei der jeweiligen Plattform melden.“ Und weiter: „Sofern man strafrechtlich dagegen vorgehen möchte, ist es ferner wichtig, Beweise zu sichern. Deshalb sollte man vorm Löschen der Nachricht oder vor dem Blockieren einen Screenshot von dem Bild und dem Chatverlauf machen.“

Ein solches Vorgehen erleichtere hinterher den Nachweis, dass das Bild tatsächlich unerwünscht zugeschickt worden sei. Außerdem könne es hilfreich sein, das Bild herunterzuladen, da über die Datei eventuell Rückschlüsse auf die verwendete Kamera möglich sind.

Gleichzeitig warnt Solmecke davor, erhaltene Dick Pics aus Rache oder zur Warnung online zu stellen, da man sich dadurch selbst strafbar mache und dann nicht mehr nur Opfer, sondern auch Täter wäre.

Bessere Alternativen zum Versenden von Penis-Fotos

Wer unangenehme Konsequenzen vermeiden möchte, sollte Frauen nicht ungefragt Dick Picks zuschicken. Doch was, wenn das Verlangen überhand nimmt? Wenn man nicht anders kann, als fremden Frauen sein bestes Stück auf digitalem Wege zu präsentieren?

Das Internet sorgt dafür, dass es für Männer eine Alternative gibt, ihren Penis auf Fotoaufnahmen einer anonymen Öffentlichkeit zu präsentieren – und dabei sexuell nicht übergriff zu sein. Nämlich spezielle Web-Portale für Schwanz-Selfie-Uploads.

Drei gute Adressen sind penis-bilder.com, schwanzbilder-held.com und peniszeigen.com. Dort können Männer nicht nur Penisfotos hochladen und ihr bestes Stück mit dem ihrer Geschlechtsgenossen vergleichen, sondern diese zum Teil auch bewerten lassen. Eine gute Möglichkeit, etwas für das eigene Ego zu tun. Denn wer Komplimente für seinen Penis erhält, steigert damit bekanntlich sein Selbstbewusstsein.

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