Am I In Porn: Neue Webseite soll Rache-Pornos aufspüren

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Am I In Porn

In den vergangenen Jahren mehrten sich Fälle, in denen Ex-Partner pikantes Bild- oder Videomaterial, das im Vertrauen geteilt wurde, im Internet verbreiteten. Die neue Gesichtserkennungs-Webseite „Am I In Porn“ soll nun Opfern der sogenannten Rache-Pornos dabei helfen, Aufnahmen aufzuspüren und aus dem Netz nehmen zu lassen.

„Am I In Porn“: Mit Gesichtserkennung gegen Rache-Pornos

Das digitale Zeitalter hat nicht nur positive Seiten, sondern auch einige Schattenseiten. Eine davon ist das Phänomen der Rache-Pornos. Dabei veröffentlicht meist ein Ex-Partner nicht einvernehmlich pikante Bilder oder Videos, die in der Beziehung vertraulich angefertigt wurden.

Die spezielle Suchmaschine mit Gesichtserkennung „Am I In Porn“ (zu Deutsch: „Bin ich in einem Porno“) sagt Rache-Pornos nun den Kampf an. Wer befürchtet, Opfer der perfiden Masche geworden zu sein, kann auf der Webseite gegen eine Gebühr von zwei Euro das Foto seines Gesichts hochladen. Anschließend gleicht das Online-Tool die Bildaufnahme automatisch mit den Datenbanken der Pornoseiten des Pornhub-Netzwerkes (Pornhub, YouPorn, RedTube, Tube8 etc.) ab. „Am I In Porn“ präsentiert einem dann eine Liste mit dreißig Videos, die am wahrscheinlichsten eine Übereinstimmung aufweisen. Befindet sich unter den Suchergebnissen tatsächlich ein Rache-Porno, hilft „Am I In Porn“ bei der Löschung.

Da die Suchmaschine über Gesichtserkennung funktioniert, lassen sich mit ihr nicht nur unerlaubt veröffentlichte private Aufnahmen aufspüren, sondern auch sogenannte Deepfake-Pornos. Dabei handelt es sich um Erotikfilme mit echten Pornodarstellern, deren Gesichter mit denen normaler Leute ausgetauscht wurden. Wenn das eigene Gesicht also in einem Porno auftaucht, findet das „Am I In Porn“ ebenfalls heraus.

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Keine hundertprozentige Treffergenauigkeit

Entwickelt wurde „Am I In Porn“ von drei Deutschen, die sich die Umsetzung ihrer Idee eines Online-Tools, das Opfern von Rache-Pornos helfen soll, 30.000 Euro haben kosten lassen. Aber wie kam es überhaupt zu dieser Idee? Lukas Henseleit, einer der Entwickler, nennt einen sehr persönlichen Grund.

Gegenüber Bild.de verrät er, dass eine Freundin von ihm schon mal mit ungewollt im Internet veröffentlichten Aufnahmen von sich konfrontiert war. „Ihr Ex-Freund hatte angefangen, Sachen von ihr zu posten, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte. Der ging es richtig scheiße. Es gibt Menschen, die nehmen sich wegen Rache-Pornos das Leben“, so Henseleit.

Allerdings räumt Henseleit auch ein, dass „Am I In Porn“ keine hundertprozentige Treffergenauigkeit biete. Das liege daran, dass die Datenbanken von Pornoseiten sehr dynamisch seien. Der Upload neuer Inhalte geschehe derart schnell, dass man mit der Verarbeitung nicht hinterher käme.

Weitere Probleme bei der Gesichtserkennungs-Suchmaschine brachte das IT-Portal Golem.de ans Licht. Zu Testzwecken speisten die Experten der Seite das Tool mit dem Bild einer bekannten Pornodarstellerin. Es wurde gerade einmal ein Ergebnis mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent ausgegeben, dafür aber weitere 29 Ergebnisse mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, in der die Darstellerin nicht zu sehen ist. Und das, obwohl laut Golem.de-Angaben Pornhub über 1.100 Suchergebnisse zu dieser Pornodarstellerin liefert. Außerdem entdeckte die Suchmaschine Bilder und Videos, die bereits gelöscht wurden.

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Datenschützer äußern Bedenken zu „Am I In Porn“

Wird ein Bild bei „Am I In Porn“ hochgeladen, werden mathematische Vektoren, die diesem zugrunde liegen, abgeglichen. Die Aufnahme selbst wird weder gespeichert noch in anderer Hinsicht rechtswidrig weiterverarbeitet. So fassen es zumindest die Entwickler der Webseite auf.

Datenschützer äußern jedoch Bedenken, dass die Webseite mit geltendem Datenschutzrecht konform geht. Ein wesentliches Problem, dass sie bei „Am I In Porn“ sehen: Jeder kann Bilder hochladen, ohne zuvor verifizieren zu müssen, dass man die Rechte an den Aufnahmen hat. Es muss sich also nicht zwingend um Fotos der eigenen Person handeln. Und das öffnet Tür und Tor für eine missbräuchliche Nutzung der Suchmaschine.

Beispielsweise veröffentlichen einige Pornodarsteller ihre Videos unter einem Pseudonym, da sie nicht so ohne weiteres unter ihrem echten Namen mit der Pornobranche in Verbindung gebracht werden wollen. Mit „Am I In Porn“ könnte es nun aber möglich sein, ganz einfach herauszufinden, ob vielleicht jemand aus der Familie, die Nachbarin oder eine Freundin unter falschem Namen heimlich der schlüpfrigen Nebentätigkeit als Pornodarsteller nachgeht.

Stefan Brink, Landesdatenschutzbeauftrager von Baden-Württemberg, kritisiert auf Nachfrage von Golem.de diese fehlende Verifizierung: „Würde es sich tatsächlich um ein Tool handeln, das den betroffenen Personen den Schutz ihrer Daten ermöglichen soll, so müsste es entsprechend ausgestaltet und gegen Missbrauch durch andere geschützt sein.“

Laut Henseleit sei dieses Problem jedoch nur eine Momentaufnahme. Man arbeite nämlich mit Hochdruck daran, „Am I In Porn“ mit einer zuverlässigen Nutzerverifzierung auszustatten. Außerdem sei man nach langem Diskutieren zu dem Schluss gekommen, dass die Seite mehr Leuten helfen als schaden würde, da die Wahrscheinlichkeit für Suchergebnisse bei einer missbräuchlichen Nutzung ungleich geringer sei.

Wie es scheint, sind die Entwickler von „Am I In Porn“ also dazu bereit, in Sachen Datenschutz gewisse Abstriche zu machen, solange die Seite zuverlässig Opfern von Rache-Pornos hilft. Ob sich das selbst dann nicht ändert, wenn Datenschützer ernst machen, bleibt abzuwarten.

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