Pornhub am Pranger: Enthält die Seite illegale Inhalte?

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Schwere Vorwürfe gegen Pornhub: Laut der „New York Times“ sind auf der Pornoseite zahlreiche Videos zu finden, die Szenen von Kindesmissbrauch oder Vergewaltigung enthalten. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen zurück und hat inzwischen die Upload-Richtlinien angepasst. Dennoch beenden die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard die Zusammenarbeit.

Zeigen Pornhub-Videos Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen?

Nach den Recherchen von Nicholas Kristof, einem Redakteur der amerikanischen Zeitung „New York Times„, sieht sich Pornhub mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

In einem am 4. Dezember 2020 veröffentlichten Enthüllungs-Artikel schreibt Kristof: „Die Seite [Pornhub] ist überschwemmt von Vergewaltigungsvideos. Vergewaltigungen von Kindern, Rache-Pornos, heimlich aufgenommene Videos von Frauen unter der Dusche, rassistische und frauenfeindliche Inhalte und Material von Frauen, denen die Luft mit einer Plastiktüte abgeschnürt wird, werden dort zu Geld gemacht.“ Und weiter: „Die Stichwortsuche nach ‚Girls under18′ oder '14yo‘ führte zu jeweils mehr als 100.000 Treffern. Zwar wird in den meisten Videos keine Gewalt gegenüber Kindern ausgeübt, aber leider trotzdem noch in zu vielen.“

Im Weiteren schildert Kristof konkrete Fallbeispiele, in denen Kinder und Jugendliche für private Zwecke Nacktaufnahmen von sich angefertigt und im Vertrauen geteilt haben, diese jedoch ohne Einwilligung auf Pornhub hochgeladen wurden. Videos dieser Art seien haufenweise auf der Seite zu finden.

Wie sehr generell die Zahl der übers Internet verbreiteten Bilder oder Videos, die im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch stehen, in den vergangenen Jahren gestiegen ist, machen die statistischen Daten deutlich, die der „New York Times“-Redakteur im Zuge seiner Recherchen vom „National Center for Missing and Exploited Children“ zur Verfügung gestellt bekommen hat. So sind im Jahr 2015 „nur“ rund 6,5 Millionen solcher Dateien gemeldet worden, 2017 immerhin schon 20,6 Millionen und 2019 ganze 69,2 Millionen.

„Hier geht es nicht um Pornographie, sondern um Vergewaltigung“, schreibt Kristof. „Wir sollten uns darauf verständigen, dass es sittenwidrig ist, sexuelle Übergriffe auf Kinder oder jemanden, der nicht bei Bewusstsein ist, zu unterstützen.“ Mit diesem Appell richtet sich der Autor vor allem an die kanadische Regierung, da Pornhub von Kanada aus operiert.

Und die kanadische Regierung hat sich tatsächlich bereits eingeschaltet – namentlich Justin Trudeau, der Premierminister des Landes. Er versicherte, dass seine Regierung mit der Polizei zusammenarbeite, um den Vorwürfen nachzugehen.

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Kreditkartenfirmen beenden Zusammenarbeit

Pornhub weist die von der „New York Times“ erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. In einer Stellungnahme, die der Agentur Reuters vorliegt, heißt es: „Jedwede Behauptung, wir ließen Material zu, das den Missbrauch von Kindern zeigt, ist verantwortungslos und offenkundig unwahr.“

Mehrere Kreditkartenfirmen, die Pornhub als Zahlungsmethoden anbietet, haben Kenntnis von den Anschuldigungen erlangt – offenbar durch den „New York Times“-Artikels. Mastercard und Visa sahen sich zwischenzeitlich sogar dazu veranlasst, die Zusammenarbeit zu beenden.

Zuvor kündigte Mastercard laut Reuters bereits an: „Falls sich die Vorwürfe bestätigen, werden wir umgehend handeln.“ Man wolle die Vorwürfe gegen Pornhub genauestens prüfen und Gespräche mit dem Mutterkonzern „Mindgeek“, der seinen Hauptsitz in Luxemburg hat, führen.

Auch Visa war wegen der Anschuldigungen gegenüber Pornhub frühzeitig alarmiert. Man untersuche gemeinsam mit den relevanten Finanz-Institutionen die Vorgänge. Außerdem führe man Gespräche mit Mindgeek. Sollte sich herausstellen, dass Pornhub tatsächlich gegen Gesetze verstoße, würden von Visa keine Überweisungen mehr getätigt werden können. Und genau das ist nun der Fall. Denn sowohl Visa als auch Mastercard haben auf ihre Ankündigung inzwischen Taten folgen lassen.

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Pornhub passt Upload-Richtlinien an

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung des „New York Times“-Artikels hat Pornhub die eigenen Upload-Richtlinien angepasst. Gut möglich, dass die schweren Vorwürfe das Unternehmen zu dieser kurzfristigen Reaktion veranlasst haben.

Welche Anpassungen sind nun aber konkret vorgenommen worden? Am wichtigsten sind wohl einige Upload-Beschränkungen. So dürfen ab sofort lediglich Content-Partner und Personen, die Teil des Model-Programms sind, Videos hochladen. Ab nächstem Jahr ist der Upload dann nur noch möglich, wenn man zuvor in einem Verifizierungs-Prozess die eigene Identität bestätigt hat.

Darüber hinaus können keine Inhalte von Pornhub mehr heruntergeladen und offline genutzt werden – mit Ausnahme von kostenpflichtigen Inhalten.

Auch den Bereich der Moderation hat Pornhub überarbeitet – ist doch einer der größten Kritikpunkte der „New York Times“, dass die Seite über zu wenige Moderatoren verfügt. Mit dem sogenannten „Red Team“ hat man ein neues Moderations-Team gegründet, dass manuell nach illegalen Uploads Ausschau hält. Im Zuge dessen soll auch die Liste der verbotenen Keywords ständig erweitert werden.

Die Upload-Richtlinien verweisen außerdem auf das „Trusted Flagger Program“, dass die Zusammenarbeit mit mehr als vierzig NPOs (Non-Profit-Organisationen) vorsieht. Alle beteiligten Unternehmen stehen in direktem Kontakt mit den Pornhub-Moderatoren, um illegale Inhalte umgehend melden zu können. Ebenso sei man um einen engen Austausch mit dem „National Center for Missing & Exploited Children“ bemüht und habe bereits im April 2020 eine unabhängige Anwaltskanzlei damit beauftragt, die Inhalte der Seite auf ihre Legalität zu prüfen.

Und zu guter Letzt verpflichtet sich Pornhub zu mehr Transparenz. So wolle man im kommenden Jahr einen Transparenz-Report mit den Ergebnissen, zu denen die Moderatoren 2020 bei der Prüfung der Seite gelangt sind, vorlegen.

Ob durch die Überarbeitung der Upload-Richtlinien die Öffentlichkeit und Kreditkartenfirmen beschwichtigt werden können, ist eher fraglich. Dennoch ist es zumindest ein erster sinnvoller Schritt, um illegalen Inhalten auf der eigenen Plattform den Kampf anzusagen.

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